Dienstag, 29.6.

Von 7.00 Uhr morgens ab Bahnhof Willhelmshöhe sind wir ganz schnell via Frankfurt und Abu Dhabi nach sage und schreibe 21 Stunden in Joburg gelandet. Auf der Reise ist nix außergewöhnliches passiert, ein schwäbischer Nobel- Bürsten Hersteller und Verkäufer aus Hannover hat uns vollgetextet, das wars.

Mittwoch, 30.6.

Landung in Joburg, ein Flughafen komplett in WM- Farben, auch die Blau-Weissen aus Argentinien, seltsamerweise ohne Mut auf ihr Team zu tippen. Drei Stunden später hat uns ein Pickup zum Diamond Diggers Backpackers- Lodge gebracht. Dabei hatten wir einen ersten Blick auf eine Stadt mit einem vermutlich viel zu schlechtem Ruf. Nachdem wir uns im Hostel ein Frühstück einverleibt hatten (leckeres Rührei von Karsten) holte uns Paul im Taxi ab, um uns nach Alexandra zu fahren. Dort befindet sich ein neu und extra errichtetes Stadion für das „Football For Hope Festival“. Ein mulmiges Gefühl beschlich uns, als Paul bei einer Einfaht nach Alexandra, einen der quer durch sie Stadt verteilten Townships, das Taxischild vom Dach nahm. Mit dem Spruch „Alexandra with a taxi is a one way street, you can go inside and will never come out“.  Jedoch die vielen Turnier Hinweisschilder sowie Police und Security beruhigten und bedrohten uns gleichermaßen. So nun standen wir mit unserem Taxi vor dem Streetball Stadion inmitten eines Townships, überall die Blechhütten und kleinen Geschäfte und jede Menge Menschen und Kinder auf der Strasse. Jedoch waren wir klar der Meinung, dieser Ort ist genau richtig für dieses Projekt gewählt. Das Turnier selbst sowie die Zukunft werden es uns beweisen.  Als jedoch nur wieder zwei Securities vor dem leeren Stadion standen, machten wir direkt kehrt und suchten das Team-Village auf dem Gelände der „Queen High School“. Ein schönes Gelände, ähnlich  wie die Waldauerwiesen  mit ner Schule drauf. Dort sind alle Teams untergebracht. Eine beeindruckende Atmosphäre und entspannte Stimmung bei allen, obwohl die Tage voller Programm stecken. Heute, Mittwoch Nachmittag war offizieller Pressetermin , mit bis zu 10 verschiedenen Kamaratemas. Wir haben heute die Player von streetfootball world kennengelernt, mit Mustafa und Memmet Mittag gegessen und erste Kontakte zu Teilnehmern der ganzen Welt geknüpft. Zum Abschluss hat Karsten noch mit den einzelnen  Ländervolanteers ein kleines Fußball Turnier mitgespielt.

Donnerstag, 1.7.

Kulturtag: Das Pflichtprogramm für alle Johannesburgbesucher, das Apartheid- Museum. Sehr beeindruckend, die Architektur des Gebäudes gab uns ein bedrückendes Gefühl. Durch zeitgenössische Texte (viele), Bilder und Filme wurde ein intensives Bild der Apartheid dargestellt. Eine sehr ausführliche Mandela- Ausstellung brachte uns diesen, für “alle” Südafrikaner sehr wichtigen Mann  nahe.

Zur Entspannung von 4 Stunden Apartheid führte uns der Weg in die 7th Street in Melville. Vierhundert Meter Bars und Restaurants, an deren Anfang und Ende von Securities bewacht.

Freitag, 2.7.

Kultur, WM- Fieber und Michaels großer Tag!

Soweto steht auf dem Programm, das berühmteste Township der Welt mit 2,5 – 4 Millionen Einwohnern. Inzwischen ein Vorzeigeviertel mit einigen sicheren Touristengegenden, z.B. die Vilakazi Street, die einzige Straße auf der Welt, wo zwei Friedens-Nobelpreiträger wohnten, Tutu und Nelson. Dazwischen Blechbuden ohne Strom und Wasser gegenüber einem großen, edlen Einkaufszentrum. Dort ist der FIFA- Ticketcenter. Laut FIFA- Infoblatt an der “Old-Potchefstroom Road”, die aber gar nicht mehr so heißt. Für 2.500 Rand (ca. 250 €) pro Ticket können wir für das Spiel Ghana gegen Uruguay am selbigen Abend die letzten 4 Karten erwerben. Wir sind aber arme Dynamo`s und lassen das sein.  In Soweto gibt es drei große Public Viewing Parks, genau richtig für den Knaller Brasilien – Holland. In Thokoza Park mit Platz für 6000 Fans haben es sich Karsten, Axel und Claus es sich mit 300 Sicherheitsbeauftragten gemütlich gemacht, das Bier hat für uns gereicht.

Nach dieser trauten Dreisamkeit mussten wir unter Leute, viele Leute, direkt zu Soccer City, zum Spiel Ghana gegen Uruguay, natürlich ohne Tickets und auf den letzten Drücker. Mit unserem gnadenlosen Optimismus hatten wir Michael, seines Zeichens (ausgebeuteter) Barkeeper in unserem Hostel ins Stadion eingeladen. Ein leichtes für uns, jemanden unter 90 000 Weltbürgern zu treffen und  noch Tickets (unter 2500 Rand) auf dem Schwarzmarkt zu ergattern. Der Fußballgott war mit uns, es hat geklappt, das Ticket für 750 Rand, schöne Grüße an die FIFA. Die tragische Geschichte vom Spiel kennt ihr, aber es ist unvorstellbar, was live dort los war. Überhaut, dieses Stadion ist phänomenal und wir drei sind voller Dankbarkeit für Dynamo, eine Freudenträne für jeden von euch Lieben. Auch in Michaels Namen. Er wird diesen Tag mit uns nie vergessen und wir auch nicht!

Samstag, 3.7.

Public Viewing anders - welch ein  Tag. Vier zu Null.

Den Ratschlag ortskundiger WM- Touristen und Locals folgend, landen wir im Fan- Park in Sandton, einem besseren Stadteil von Joburg. Ein riesiges, kopiertes aber schönes Gelände. Die Stimmung ist zwei Stunden vor Beginn schon großartig, wir fühlen uns wohl. Fans aller Länder in Deutschlandfarben, tanzend singend und lachend, genauso viele in Blau-Weiss. Ihr könnt euch vorstellen wie es war (3. Spielminute), und genauso war es auch, wunderschön. Bei der ganzen Euphorie in uns und um uns herum, überfällt uns die Sehnsucht, nach der Stimmung im Festzelt auf den Waldauer Wiesen. Ihr fehlt uns!

4:0. Die Pause zum zweiten Spiel trieb uns zur catering-area, genauer zum kleinen Essstand von King, ja, das ist sein echter Vorname. Er ging sofort auf uns zu, seinem Trieb folgend, kulturellen Austausch zu betreiben. Wir verstanden uns blendend und diskutierten dynamisch durch Sport, Gesellschaft, Politik, groß und klein, arm und reich. Es ist immer wieder schön, gute Menschen kennenzulernen. Danke King, bis Mittwoch.

Spanien-Paraguay war dann eher Soweto-Style, leer und obendrein kalt. Aber in uns stand es 4:0.

Sonntag 4.7.

“Football For Hope” Festival startet in Alexandra

Der eigentliche Grund für unsere Reise nach Südafrika.  Bei dem FIFA-Festival spielen ebenfalls 32 Teams from all over the world. Es sind Jugendliche im Alter von 15-18 Jahren. Europa ist mit 5 Teams vertreten, darunter eine deutsche Mannschaft, das “Netzwerk Straßenfußball”. Mehmet Cevik aus Kassel ist als Vertreter von Dynamo im deutschen Team dabei! Übrigens ist Mustafa Gündar im Namen des Netzwerks von Anfang an mit dabei und bereits seit dem 27.6. in Joburg.

Also morgens um 9h war unser privat Taxi driver Paul vor Ort und hat uns ins “gefährliche” Township Alexandra gebracht. (Karsten hat sich erkältet beim Duschen bei 7 Grad am Vortag) Dort trafen wir auf die Organisatoren von Streetfootballworld (Johannes Axster und Jürgen Griesbeck). Schon auf dem Weg dorhin überholten wir mehere Busse in denen die Kids drinsaßen, fett mit Blaulicht und Polizeieskorte. Überall Polizei und Sicherheitsbeauftragte, da das Stadion mitten im Township ist, umringt von Blechhütten. Klar konnte jeder rein in das Stadion nach einer Leibesvisite, aber schnell wurde klar, dass das ganze Event schon sehr offiziell und sehr auf  FIFA , Coca Cola und Adidas getrimmt ist.

Nach einer tollen Begrüßung der 32 internationalen Teams und einer phänomenalen Auftaktveranstaltung sowie super Stimmung auf der Tribune fing,  nachdem unser der liebe Herr Platter und sein südafrikanischer Kollege Mr. President: Zuma uns erst mal vollgetextet hat und die VIP Tribüne immer voller wurde (übrigens dabei war kaum Stimmung!) fingen die ersten Spiele an. Mit dem Stadtteilteam Alexandra, 0 zu 2 gegen Uruguay. Abreise der VIPs.  Als zweitzes Match gab es Deutschland gegen Argentinien. Leider keine Wiederholung der Profis, trotz tollem Einsatz von Mehmet ,  2:1 verloren.

Da es auf dem Gelände außer der Werbung von Addidas, Sony, Coca Cola und der Fifa auch Catering gab, hatten wir endlich mal wiedert etwas warmes zu Essen. Schön dabei war es, dass auch  erste konkrete Kontakte zu anderen internationalen Organisationen geknüpft werden konnten. Die Organisatoren von Chile, Kolumbien, Argentinien und Rosta Rica waren sehr angetan und freuten sich uns kennenzulernen und wollen gerne mit Dynamo in Kontakt treten.

Schwupp war es wieder 16h und wir mussten ca. 1, 1/2 Std. auf unseren Taxifahrer warten. That´s Afrika, die Uhren ticken schon anders hier. Aber auch Mustafa konnten wir nochmals treffen während wir warteten und uns fast jedes zweite Auto uns entweder zuwinkte oder “hi guys”" how is it” aus dem Auto zuriefen. Normalerweise sitzen keine Weißen im Townchip auf dem Bürgersteig.Völlig erledigt gings wieder zurück nach Hause und dann noch zu unserer Bar, ein paar Bierchen und ein tolles Poolbilliard Turnier gegen 11 Jungs aus Indien. Wie es so ist beim Fußball, mal gewonnen und mal verloren.

Montag 05.07.

Heute steht ein Treffen mit Claudia Berker auf dem Programm. Claudia arbeitet für das Projekt “a chance to play” von terres des hommes und mit Unterstützung von VW. Gemeint sind die VW- Betriebsräte, die weltweit soziale Projekte unterstützen. So auch der Betriebsrat von VW Baunatal, Jürgen Stumpf, der einige Tage vor uns da war. Claudia hat uns ein Teil ihres Projektes gezeigt, in Hillbrow. Ein Stadtteil, mitten in der Stadt, in dem auch tagsüber fast kein Blasser zu sehen ist. Begleitet wurde unsere Delegation von der “deutschen Welle” in Person von Namgay. Sie stammt aus Butan, arbeitet für die “deutsche Welle” als Fernsehmoderatorin. Wir sind begeistert und sie von uns und von Dynamo Windrad.

Das Projekt “a chance to play” kümmert sich um Kinder und Jugendliche (speziell um Mädchen und Frauen). Problem ist, dass es kaum öffentliche Räume gibt, an denen die Kids spielen und sich aufhalten können, ohne von Drogen Prostitution, Glücksspiel und Gewalt umringt zu sein. Mister Elliot (ehemaliger Fußball-Profi) hat so einen Platz geschaffen, an dem Kinder bolzen und sicher Spaß haben können. Zusätzlich gibt es “soft skills” und viele Möglichkeiten der Weiterbildung (für Selbstständigkeit) vor Ort für die Kids, z.B. Kochen, Maniküre, Hairdressing, Computerschule, Handwerk.

Frau Namgay ist immer mehr angetan von Dynamo und deshalb ist ein Interview- Termin für morgen vereinbart, oder übermorgen, wir sind immerhin in Afrika.